Goldener Oktober



Nach dem Offenbarungseid der Politik zum Thema Rente darf man für die kommenden Jahre einige Bewegung auf diesem Gebiet vorhersagen. Mit der Einführung einer sogenannten „Grundrente“ - in Wahrheit ist es eine Sozialhilfe – bestätigt die Bundesregierung das seit Jahrzehnten prognostizierte Scheitern des deutschen Rentensystems. Angesichts der schwerwiegenden demographischen Umwälzungen musste das Umlagesystem, welches gerne beschönigend als „Generationenvertrag“ bezeichnet wird, auf Grund laufen. Ein stetig wachsender Teil der durch die Reformen der Agenda 2010 bereits deutlich reduzierten Rentenansprüche muss aus dem steuerfinanzierten Staatshaushalt bezahlt werden. Im Bundeshaushalt für das Jahr 2020 sind ca. 42% für den Umverteilungsposten Arbeit & und Soziales vorgesehen; Tendenz steigend.

Es gehört zu den Kardinalfehlern der Bundesrepublik Deutschland, keine auskömmliche kapitalgedeckte dritte Säule der Altersvorsoge auf den Weg gebracht zu haben. In die gleiche Kategorie fallen die verfrühte Abschaffung der D-Mark und der Express-Ausstieg aus der Atomenergie. Auf dem Gebiet der Alterseinkünfte sind die Auswirkungen jedoch am größten, zumal jeder einzelne Bürger entweder als Leistungsempfänger und/oder als Steuerzahler negativ betroffen ist. Hinzu kommen die dramatischen Auswirkungen der überalternden Gesellschaft für Gesundheit und Pflege.

Aktuell überlegt der Bundeswirtschaftsminister, ob eine verpflichtende private und vor allem kapitalgedeckte Altersvorsorge auf den Weg zu bringen ist. Denn die im Kern richtigen Riester- und Rürup-Ansparmodelle haben in der Praxis versagt, weil sie erstens in viel zu geringem Umfang auf Aktien gesetzt haben, zweitens teure aber unnütze Garantien eingebaut hatten, drittens zu hohe Kosten aufwiesen und schließlich zu stark im typisch deutschen Versicherungsdenken stecken geblieben sind.

LOYS-Anleger sind in den letzten fünfzehn Jahren an dieser Stelle mehrfach auf die Defizite der bisherigen Altersvorsorgesysteme hingewiesen worden. Mehr noch: Jeder LOYS Anleger weiß, dass Spargeld sinnvoll arbeiten kann und sollte, sofern es klug und langfristig investiert wird. Dazu ist es allerdings erforderlich, das Geld in der Wirtschaft, d.h. in den Unternehmen, arbeiten zu lassen. Denn dort entsteht die Wertschöpfung, an der sich auch der Staat durch Steuern und Abgaben zwangsbeteiligt. Damit aber diese Kuh dauerhaft viel gute Milch liefert, darf sie nicht durch bürokratische Überregulierung, hohe Energiekosten und feiste Steuer- und Abgabenraten überlastet werden.

In der privaten Altersvorsorge bedarf es keiner staatlichen Zwangssysteme. Sinnvoll wären stattdessen steuerliche Anreize für diejenigen, die durch langfristiges Aktiensparen Verantwortung für ihren Lebensabend übernehmen. Dadurch bewahren sie diejenigen davor, der Allgemeinheit in Zukunft zur Last zu fallen. Ein erster Schritt könnte darin bestehen, die Privilegien für Staatsanleihen abzuschaffen. Dann könnte auf dem Gebiet der Vermögensallokation ein fairer Wettbewerb unter gleichen Bedingungen stattfinden. Hätte man dergleichen vor dreißig Jahren umgesetzt, dann wäre die Aktienanlage hierzulande weit verbreitet und der Volkswohlstand ungleich höher.


Ihre

Fondsmanager und Mitinvestoren


Dr. Christoph Bruns               Ufuk Boydak       

Chicago,                                    Frankfurt a.M. am 30.11.2019