Goldener Oktober



Die Börsen der Welt befinden sich in einer langen Aufwärtsphase. Kurz unterbrochen von den Korrekturjahrgängen 2011 und 2018 schicken sie sich an, neue Rekorde zu erklimmen. Nicht wenige Experten sprechen von einer Jahrhunderthausse. Zu den Gewohnheiten an den Finanzmärkten zählt es, nach vielen guten Jahren dem Thema „Risiko“ wenig Aufmerksamkeit zu schenken. Dabei ist zunächst gar nicht klar, was mit dem Begriff „Risiko“ gemeint ist. Landläufig wird das Wort unter Börsianern gleichbedeutend für die Schwankung der Kurse verwendet – Volatilität genannt. Allerdings stellt sich bei tiefergehender Betrachtung heraus, dass Kursschwankungen zwar zur Aktienanlage gehören, jedoch nicht deren größte Gefahr darstellen. Im Hause LOYS definieren wir die mit Aktienanlagen verbundenen Risiken als Gefahr, das eingesetzte Kapital in einem Fünfjahreszeitraum unwiederbringlich zu verlieren.

Auf den ersten Blick erkennt der Leser die konservative Natur dieser Definition. Denn im Gegensatz zur weit verbreiteten relativen Betrachtung steht hier der absolute Vermögensverlust im Vordergrund. Mehr noch, es geht nicht um einen vorübergehenden sondern einen permanenten, sprich uneinholbaren Vermögensverlust. Und betrachtet wird nicht der Kursverlauf der Vergangenheit sondern die realwirtschaftlichen Bedrohungen der Zukunft.

In den Augen des Fondsmanagements bestehen die Hauptgefahren für das Finanzsystem heute in den staatsmanipulierten Zinsmärkten und den daraus resultierenden Folgen. Zugleich bleibt aber klar, dass die Aktienmärkte – eben weil sie voll funktionstüchtig sind – sensibel auf relevante Information aus Wirtschaft und Politik reagieren. Transitorische Überbeliebtheiten in manchen Sektoren werden gespiegelt durch Unbeliebtheiten in anderen Branchen. Langfristig dürften sich solche Entwicklungen – wie stets in der Vergangenheit – einebnen, denn ein Euro ist ein Euro wert, unabhängig von der Branche, in der er erwirtschaftet wird.

Eine noch andere Perspektive betrachtet das Endwertrisiko von Geldanlagen. Dabei wird etwa gefragt, wie hoch die Gefahr ist, eine bestimmte Vermögensentwicklung nach Jahren zu verfehlen. Bei Zinsanlagen ist diese Gefahr heute immanent. Es leuchtet intuitiv ein, dass negative Realzinsen bei Zinsanlagen unausweichlich zu Vermögensminderungen im Sinne von Kaufkraftverlust führen müssen. Umso erstaunlicher ist die Beobachtung, dass die Abschaffung positiver Habenzinsen in Deutschland bislang nur wenige Bürger veranlasst hat, ihr Anlageverhalten den neuen Gegebenheiten anzupassen.

Bei Gründung des Hauses LOYS Ende 2004 waren alle Beteiligten überzeugt, dass nur die Aktienanlage langfristig anspruchsvollen Vermögensaufbau erlauben würde. Aus diesem Grund hat LOYS sich auf das Management von Aktienfonds fokussiert. Zusätzlich wurde angesichts der hundertprozentigen Aktienorientierung beschlossen, grundsätzlich eine konservative Aktienfondsmanagementstrategie zu verfolgen, nach dem Motto: „Wenn schon voll in Aktien, dann aber konservativ“.  Dieser Weg hat sich einschlägig bewährt, wenngleich man nach mehr als 10 Jahren Börsenhausse vereinzelt Kritik an der „zu vorsichtigen Haltung“ des Fondsmanagements vernimmt.

Es nützt aber nichts, einen Tod muss man sterben, wie es in Shakespeares Henry IV sinngemäß heißt. Unter den leistungsstarken und langfristig ausgelegten Aktienfondshäusern wollen wir das Konservativste sein.


Ihre

Fondsmanager und Mitinvestoren


Dr. Christoph Bruns               Ufuk Boydak       

Chicago,                                    Frankfurt a.M. am 30.09.2019