Süss Microtec: ausgebremst trotz Auftragsboom

Ein deutsches Hightech-Unternehmen mit Tradition im Halbleiterbereich, prall gefüllten Auftragsbüchern und weltweit nachgefragter Präzisionstechnologie wurde an der Börse hart bestraft. Markus Herrmann verrät, warum er das jetzt nicht mehr angemessen findet.

Lieferengpässe bei Vorprodukten sind in allen deutschen Industriezweigen ein Thema. Besonders eng wird es bei Teilen, die aus China bezogen werden. Die Regierung der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt rückt noch nicht vollständig von dem eingeschlagenen Weg der Null-Covid-Strategie ab. Für den deutschen Hightech-Anlagenbauer Süss Microtec ist das besonders bitter. Dessen Auftragsbücher quellen über, aber aufgrund langer Wartezeiten für Vorprodukte lassen sich die Orders nur langsam abarbeiten und in buchbare Umsätze wandeln.

Süss Microtec produziert und vertreibt Maschinen für lithografische Anwendungen, die von weltweit führenden Halbleiterproduzenten benötigt werden. Sogenannte Mask Aligner, Coater und Bonder sorgen dafür, dass Mikrochips, die Bausteine der Digitalisierung, immer leistungsfähiger werden. Für diese Leistungssteigerung bearbeitet man dünne Siliziumscheiben, sogenannte Wafer mit lithografischen Verfahren. In über 1.000 Prozessschritten werden minimale Strukturen für immer schmaler werdende Leiterbahnen darauf projiziert und gebrannt. Moderne Chips verarbeiten Rechenoperationen in elektrischen Schaltkreisen auf Bahnen von weniger als 10 Nanometern. Süss Microtec zählt zu den international führenden Zulieferern für ultrapräzise Maschinen in der Chip-Industrie. Die Hauptabnehmer sind in den USA und Asien beheimatet.

Prall gefüllte Auftragsbücher

Dass die Produkte des Anlagenbauers aus Garching bei München stark gefragt sind, zeigt sich an der Entwicklung des Auftragsbestands. Betrug 2021 der Umsatz noch 270 Millionen Euro bei einem Auftragsvolumen von 360 Millionen Euro, so wies das Unternehmen allein im ersten Halbjahr bereits 230 Millionen Aufträge aus. Sollte sich die Nachfrage ähnlich fortsetzen, könnte Süss zum Ende seines Geschäftsjahres womöglich schon 400 Millionen Aufträge präsentieren. „Dann wäre man schon recht nah am strategischen Ziel für das Jahr 2025. Da strebt das Management Umsätze in dieser Höhe an. Zum Vergleich, der Börsenwert liegt aktuell bei etwas unter 250 Millionen, also weit darunter. Das passt meiner Meinung nach nicht, weil Süss ganz profitabel wirtschaftet.“ erklärt Markus Herrmann, der Manager des Deutschland-Fonds der LOYS AG. Im letzten Jahr betrug die EBIT-Marge, also das Ergebnis vor Abzug von Zinsen und Steuern, 8 Prozent vom Umsatz. Bei höherer Auslastung besteht hier aufgrund der besseren Kostenverteilung auch Potential für mehr.

Börsenreaktion zu harsch

Lieferschwierigkeiten haben für ein sogenanntes De-Rating des Titels an der Börse gesorgt. Davon spricht man, wenn eine Aktie gemessen am KGV deutlich mehr an Bewertung einbüßt als sich rechnerisch durch einen Gewinnrückgang ergibt. Konkret bedeutet das für Süss Microtec, der Kurs hat sich zwischen April 2021 und Oktober 2022 gedrittelt. Jedoch ist der Unternehmensgewinn nicht gefallen, sondern nur nicht so stark gestiegen, wie Anleger es zu Jahresbeginn 2021 erwartet hatten. Mit Überwindung der Lieferschwierigkeiten rechnet das Management nach eigener Aussage aufgrund der sukzessiven Abarbeitung bestehender Orders mit einer weiteren Verbesserung seines Gewinnausweises für dieses und das nächste Jahr. Sollten die strategischen Ziele für 2025 erreicht werden, sind dann bis zu 15 Prozent EBIT-Anteil vom Umsatz drin. Markus Herrmann erläutert seine Erwartung an das Investment in Süss Microtec anhand folgender Rechnung. „Hypothetisch gerechnet ergäbe die Erreichung der strategischen Ziele ein Verhältnis von Unternehmenswert zu EBIT von nur noch 3,5 mal. Das ist im Vergleich zu ähnlichen Unternehmen viel zu niedrig. Wenn die Aktie nur einen Teil ihres Bewertungsabschlags aufholt, bedeutet das einen attraktiven Renditebeitrag zum Deutschland-Portfolio.“

Gut abgeschirmtes Geschäftsmodell

Einen Risikofaktor gibt es allerdings. „Mikrochips können nicht lange auf Lager gehalten werden. Sie verlieren sonst ihre Qualität.“ so Herrmann über das Halbleitergeschäft. „Bestellzeitpunkt und Auslieferdatum wollen die großen Nachfrager nach Chips, wie Automobilkonzerne oder die Computerindustrie, deshalb dicht beieinander halten.“ Das betrifft Süss Microtec zwar nicht direkt, hat aber dennoch Auswirkungen auf die Bestellzyklen seiner Kunden. Die müssen sich nämlich entsprechend schnell an die Nachfragezyklen aus ihren Abnehmerindustrien anpassen. Aufgrund der Lage am Weltmarkt sollten Anleger vorübergehend einen Rückgang bei den Investitionen der großen Halbleiterproduzenten einkalkulieren. Süss Microtec dürfte dank des hohen Auftragsbestands vorerst dagegen abgeschirmt sein. Die Aktie könnte aber zwischenzeitlich volatil reagieren.

Eine Frage im aktuellen Umfeld ist ebenfalls wichtig. Könnten die Kunden abspringen, wenn es mit der Produktion länger dauert? „Auch wenn Vorprodukte teilweise noch knapp sind, können die Kunden nicht einfach woanders bestellen. Die Konstruktion der Maschinen von Süss Microtec ist bis ins letzte Detail zusammengestellt. Jede noch so kleine Änderung des Bauplans müsste beim Kunden neu abgestimmt werden.“ sagt Herrmann über den deutschen Hightech-Anlagenbauer. „Das ist eine Eintrittsbarriere, die es Wettbewerbern schwer macht, in bestehendes Territorium einzudringen.“ Für ihn war die Aktie über 20 EUR noch nicht attraktiv, erreichte aber im Oktober ein attraktives Einstiegsniveau.

Bei Süss locken ein attraktiver Endmarkt, eine solide Bilanz, klassische deutsche Mittelstandstugenden und ein neuer CEO, der für weitere Optimierung der Geschäftsprozesse sorgen will.

 

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